Sogar Sportlerinnen sitzen zu viel

Laut einer aktuellen amerikanischen Studie der „Northwestern University Feinberg School of Medicine“ (Craft et al. 2012) sitzen Frauen, die regelmäßig Sport treiben, genau so viel wie Frauen, die überhaupt keinen Sport treiben. Lange Sitzphasen können nachgewiesener Maßen negative gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen, von denen auch Sportlerinnen betroffen sein können. Dies sind chronische Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, kardiovaskuläre Erkrankungen und einige Krebsarten.

Zukünftige Public Health Empfehlungen sollten folglich auch darauf abzielen, die langen Sitzphasen zu reduzieren. Laut Lynette L. Craft können Personen, die viel am Schreibtisch und am PC arbeiten, beispielsweise während des Telefonierens aufstehen und umhergehen, mit Kolleginnen und Kollegen persönlich sprechen statt zu telefonieren oder E-Mails zu schreiben und so gesundheitlich profitieren.

An der Studie nahmen 91 Frauen zwischen 40 und 75 Jahren teil. Durchschnittlich saßen die Frauen 9 Stunden täglich, was sich mit den Ergebnissen anderer amerikanischer Studien deckt. Scheinbar denken viele, dass 30-40 Minuten Bewegung pro Tag ausreichen würden, um die Gesundheit zu stärken, so Craft. Aber lange Sitzphasen haben negative Folgen, und auch Sportlerinnen sitzen viel zu lange.

Der Artikel wurde im „International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity“ veröffentlicht und ist unter folgender Adresse zu finden:

Klicke, um auf art253A10.1186%252F1479-5868-9-122.pdf zuzugreifen

Kaum Beweise für leistungssteigernde Wirkung vieler Sportprodukte

In einer aktuellen Studie untersuchten Heneghan et al. von der Universität Oxford die oft beworbenen leistungssteigernden Effekte verschiedener Sportprodukte wie Getränke, Sportschuhe oder Shakes. Dabei wurden die Studien und die Beweislage, die hinter 431 leistungssteigernden Versprechen von 104 verschiedenen Produkten besteht, näher untersucht.

Dabei zeigte sich, dass lediglich 2,7% der Studien eine hohe Qualität und eine geringe Wahrscheinlichkeit von Messfehlern aufweisen. Einige Sportgetränke könnten leistungsförderlich für Spitzenathleten sein, Studien über deren Wirksamkeit am Breiten- und Freizeitsportler werden jedoch kaum durchgeführt. Aufgrund der teilweisen hohen Zuckerdosen können diese Getränke sogar kontraproduktiv wirken. Auch die Aussage, dass bestimmte Sportschuhe das Verletzungsrisiko reduzieren, kann nicht aufrechterhalten werden. Ebensowenig konnte bestätigt werden, dass Proteinshakes zu einer Leistungssteigerung führen oder eine schnellere Erholung ermöglichen. Der Ernährungsexperte Professor Mike Lean beschreibt Proteinshakes sogar als “a rather expensive way of getting a bit of milk.”

Den vollständigen Artikel  „The evidence underpinning sports performance products: a systematic assessment“ finden Sie unter http://bmjopen.bmj.com/content/2/4/e001702.full

Generation Bachelor – Optimiert und abgeschmiert

Der folgende Artikel befasst sich mit dem Leistungsstreben, gestiegenen Ängsten und Erwartungen der heutigen „Generation Bachelor“. Unterstellt wird eine „Castingmentalität“ sowie eine frühzeitige strategische und effiziente Ausrichtung des Studiums.

 http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/bachelor-studenten-eine-generation-unter-druck-a-834713.html

Dies deckt sich mit Erkenntnissen, die Göring & Möllenbeck im Artikel Sport in Zeiten von Bologna. Über den institutionellen Wandel des Hochschulwesens und dessen Folgen für das Sporttreiben von Studierenden (Lucius-Verlag, im Druck) dargelegt haben:

„Die vergleichsweise hohe Normierung von Studienanforderungen im neuen Studienmodell führt dabei zu einer lebensweltlichen Anpassungsleistung, die in unterschiedlichen Formen von Selbstmanagementstrategien einen Ausdruck findet. Studierende der neuen Studiengänge bewältigen die neuen Anforderungen, indem sie ihren Studienalltag strategisch planen und organisieren. Effizienz scheint dabei zu einer wesentlichen Handlungsmaxime zu avancieren, der auch das Sportreiben unterworfen wird.“

Die Ausübung sportlicher Aktivitäten im Setting Hochschule scheint sich teilweise zu verändern. Diese wird zunehmend nach Effizienskriterien gestaltet und zeigt sich beispielsweise durch einen zunehmend unverbindlichen Organisationsrahmen (Fitnessstudio, Jogging, Teilnahme an Fitnesskursen etc.). Dabei treten Motive wie Steigerung des Befindens, Steigerung der Leistungsfähigkeit, Spaß oder Ablenkung in den Vordergrund, während beispielsweise das Leistungsmotiv bei Studierenden kaum noch eine Rolle spielt.