Bewegungsmangel führt zu schlechteren Schulnoten

Vor dem Hintergrund, dass weltweit nur ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen ausreichend körperlich aktiv sind, untersuchte eine Forschergruppe um den finnischen Gesundheitswissenschaftler Marko T. Kantomaa, ob motorische Fähigkeiten von Kindern spätere schulische Leistungen beeinflussen. Die Forscher stellten fest, dass körperliche Aktivität (physical activity) und starkes Übergewicht (obesity) den Zusammenhang von motorischen Fähigkeiten im Kindesalter und späteren schulischen Erfolgen beeinflussen. Eingeschränkte bzw. mangelnde körperliche Aktivität im Kindesalter scheint ein wichtiger Faktor zu sein, der die Wirkung von Übergewicht und körperlicher Aktivität auf schulische Leistungen steuert. Zudem erhöht Bewegungsmangel im Kindesalter erwartungsgemäß die Wahrscheinlichkeit für späteres (starkes) Übergewicht.

Kantomaa et al. werteten die Daten von 8.061 Kindern der Geburtenkohorte 1986 aus Nordfinnland aus. Im Alter von 8 Jahren wurden die Eltern hinsichtlich der motorischen Fähigkeiten ihrer Kinder befragt. Mit 16 Jahren wurden die Jugendlichen zu ihrer körperlichen Aktivität befragt, ihre kardiorespiratorische Fitness wurde mit dem Fahrradergometer gemessen und per Größe und Gewicht das Gewicht bestimmt. Zudem wurden die schulischen Noten erhoben.

Zwischen der Ausübung körperlichen Aktivitäten und der späteren schulischen Leistung besteht ein direkter Zusammenhang, zwischen Übergewicht und späteren schulischen Leistungen besteht ebenfalls ein direkter negativer Zusammenhang. Ein Zusammenhang zwischen mangelnder körperlicher Aktivität (compromised motor function) im Kindesalter und späteren schulischen Leistungen entsteht dabei lediglich über die körperliche Aktivität sowie das Übergewicht, jedoch nicht über die kardiorespiratorische Fitness. Dies könnte daran liegen, dass Faktoren wie die Intensität der körperlichen Aktivität oder die Art der Aktivität nicht untersucht wurden. Dies kann die Aussagekraft der Ergebnisse einschränken (im Überblick Möllenbeck 2011). Die Jungen hatten schlechtere Noten als die Mädchen und waren auch häufiger (stark) übergewichtig.

Laut der Autoren kann mangelnde körperliche Aktivität im Kindesalter dazu beitragen, die Kinder auf einen negativen Entwicklungsweg hinsichtlich ihrer kognitiven und schulischen Leistungen zu bringen. Die Studienergebnisse bestätigen somit aktuelle Studien, die die förderlichen Effekte körperlicher/ körperlich-sportlicher Aktivitäten auf schulische Leistungen nachweisen. Inaktive und somit leistungsmäßig gefährdete Kinder sollten identifiziert und gefördert werden.

Einschränkungen der Aussagekraft der Studie bestehen aufgrund der selbstberichteten Daten der Eltern über ihre Kinder sowie aufgrund des einmaligen Messzeitpunkts der Daten mit 16 Jahren. Hier wären mehrere Erhebungen wünschenswert gewesen. 

Der Artikel wurde im Wissenschaftsjournal „PNAS“ publiziert und ist online unter folgender Adresse einsehbar:

http://www.pnas.org/content/early/2012/12/26/1214574110.full.pdf+html

Videospielkonsolen mit „aktiven Spielen“ erhöhen Umfang körperlicher Aktivität nicht

Die Idee ist einfach und für viele Eltern verlockend: körperlich inaktive/ übergewichtige Kinder bekommen eine Spielekonsole (z.B. die Nintendo Wii) mit der Sportsoftware geschenkt, wodurch sich automatisch der Umfang ihrer körperlichen Aktivität erhöht da die Bewegung im Rahmen der Spiele Spaß macht. Ob dies tatsächlich so ist, wollten amerikanische Wissenschaftler (Owens, SG, Garner III, JC, Loftin, JM, van Blerk, N, & Ermin, K, 2011) testen. Sie verteilten an 8 Familien mit Kindern zwischen 9-12 eine Spielekonsole mit den „aktivsten“ Sportspielen bzw. eine Konsole ohne Sportspiele (Kontrollgruppe).

Nach 13 Wochen wurde festgestellt, dass die Kinder mit den „aktiven“ Spielen weder insgesamt noch zu bestimmten Zeiten aktiver gewesen sind als die Kinder der Kontrollgruppe. Zudem wurden die Spielekonsolen zunehmend uninteressanter, nach 6 Wochen sank die tägliche Benutzungsdauer erheblich. Spielekonsolen scheinen die an sie gestellten Erwartungen/ Hoffnungen bezüglich einer Erhöhung der Bewegung nicht erfüllen zu können.

Hier der Link zu Studie:

http://wiihabilitationresearch.blogspot.de/2011/10/changes-in-physical-activity-and.html